Der traditionelle kappadokische Baustil

Die Tragfähigkeit von Tuff ist wesentlich geringer als die anderer Felsgesteine, weshalb das Mauerwerk der unteren Etagen immer sehr dick ist. Besonders bei der Konstruktion der für Kappadokien typischen Flachdach-Gewölbe-Häuser, bei denen auch große horizontale Lasten auf das Mauerwerk treffen, sind die Grundmauern manchmal bis zu einem Meter stark. Wann man begann, diese Bauweise einzuführen, ist nicht bekannt. Aber da Holz als Baustoff immer schon sehr rar war, ist davon auszugehen, dass diese Technik sehr früh eingesetzt wurde.
Zuerst werden mehrere, den gesamten Raum überspannende Rundbogengürtel (1) (Kemer) gemauert. Diese stehen so dicht nebeneinander, dass im Anschluss die verbliebenen Freiräume zwischen ihnen mit einer weiteren Schicht an Steinen (2) abgedeckt wird und sich so die Gewölbedecke schließt. Auch hier zeigt sich wieder der sparsame Umgang mit dem teuren Baustoff Holz. Muss bei einem glatten und durchgehenden Gewölbe die ganze Decke verschalt werden, so braucht man beim kappadokischen System nur ein kleines Gerüst für einen einzelnen Bogen. Danach werden die seitlichen Außenmauern (3) über die Höhe des Gewölbes hinaus aufgemauert und der so entstandene Hohlraum mit gestampfter Erde aufgefüllt bis man ein Flachdach erhält. Die recht dicke Erdschicht (5) verhindert ein Eindringen des spärlichen Niederschlags. Die großen Flachdächer waren als Arbeitsfläche schon immer sehr beliebt. Auf ihnen kann man Früchte trocknen und Wäsche aufhängen und sie lassen sich hervorragend reinigen.
Das Errichten weiterer Etagen stammt aus späterer Zeit. Sie sind von Seiten der Konstruktion her einfacher gehalten. Hier ist das Mauerwerk aus Gewichtsgründen oft dünner und manchmal nur eine Steinbreite dick. Die Decke wird von einfachen Pappelrundstämmen getragen, auf denen Tuffsteine flach ausgelegt wurden. Manchmal wurden auch verzierte Holzdecken eingezogen. Das Flachdach der oberen Etage ist jedoch nicht regendicht, so dass darüber immer ein Dachstuhl gebaut werden musste , der mit Ziegeln gedeckt war. Kennzeichnend für die oberen Räume sind die größeren Fenster, die oft nach Süden zeigen und das wärmende Sonnenlicht hereinlassen.

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  • 1 tragender Boden (Kemer)
  • 2 Abdecksteine
  • 3 Seitenmauerwerk
  • 4 Frontmauerwerk
  • 5 Erdauffüllung